Junggesellenverein und Fähndelschwenken

 

Sieht man im Duden oder in Lexika nach, so findet man das Wort Fähndel nicht. Lediglich im Wörterbuch der rheinischen Mundart ist zu lesen, dass man unter Fähndel eine Fahne versteht, die der Fähnrich beim Fähndelschwenken gebraucht.

Es handelt sich um eine Verkleinerungsform von Fahne, die in der rheinischen Mundart ungewöhnlich ist. Sie passt eher in den alemannischen Sprach- gebrauch. Das lässt darauf schließen , dass das Fähndelschwenken nicht nur ein Brauchtum des Rheinlandes ist, sondern auch in anderen Gebieten ausgeübt wird.

Urkundlich bezeugt ist es zum ersten mal im böhmischen Eger, wo die Fleischerzunft das Recht erhielt, an Fastnachtsdienstag die Fahne zu schwenken. (vgl. Handbuch des deutschen Aberglaubens von Bächthold-Stäubli 1829).
 
Das Fähndelschwenken wurde vor allem in Städten gepflegt. In Köln lässt es sich urkundlich bis ins 16. Jahrhundert zurück nachweisen. Im 17. Jahrhundert verlor das Fähndelschwenken mehr und mehr an Bedeutung. Das kann man aus dem „Großen vollständigen Universallexikon aller Wissenschaften und Künste“ von Zeller aus dem Jahre 1725 entnehmen. Dort heisst es: „Fahnenschwingen ist ein Execitium, auf welchem vor diesem, sonderlich bey Aufzuegen und Paradiren, grossen Solemnitaeten und Sarmunetzeln sehr viel gehalten worden, wiewohl es nach der Zeit dermaßen ins Abnehmen geraten, dass es heutigen Tages fast nicht, als in einigen Bürger Aufzuegen geübt wird.“

Der Kirchdauner Junggesellenverein sowie fast alle Junggesellenvereine am Rhein, im Westerwald, im Siebengebirge, in der Eifel und im Vorgebirge, haben dieses mittelalterliche Brauchtum aus dem Mittelalter in die heutige Zeit hinüber gerettet. Heute wird die Kunst des Fahnenschwenkens nicht mehr in Städten, sondern nur noch in Dörfern und Vororten von Städten gepflegt.